„Ein Frauenherz muss grundsätzlich mehr leisten als ein Männerherz” , sagt Professorin Sandra Eifert, Oberärztin am Herzzentrum Leipzig. Sie ist eine der wenigen Herzchirurginnen Deutschlands und beschäftigt sich seit rund 16 Jahren mit dem Thema geschlechterspezifische Medizin.
Interview: Nicole Lauscher
Foto: Michael Bader
Frau Eifert, warum sind Frauenherzen besonders?
Prof. Sandra Eifert: Frauenherzen sind kleiner als Männerherzen und schlagen darum schneller: zehnmal häufiger in der Minute. Außerdem müssen sie in der Lage sein, nicht nur unseren eigenen Organismus, sondern im Fall einer Schwangerschaft auch den eines ungeborenen Kindes mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Die Hormone – Östrogen und Progesteron – sorgen dafür, dass sie das überstehen. Und sie schützen uns viele Jahre sehr gut vor Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Wie genau machen die Hormone das?
Sie halten die Gefäße geschmeidig, schützen vor Ablagerungen, halten den Blutdruck niedrig und sorgen dafür, dass wir uns wohlfühlen. Wenn wir ab den Wechseljahren weniger dieser schützenden Hormone produzieren, hat das Einfluss auf den gesamten Körper: Das Risiko für Fettstoffwechselstörungen und Diabetes steigt, Herz-Kreislauf-Krankheiten werden begünstigt.
Laut statistischem Bundesamt sterben in Deutschland jedes Jahr mehr Frauen an Herzkreislauferkrankungen als Männer.
Ja, während gleichzeitig mehr Männer als Frauen Herz-Kreislauf-Krankheiten haben und vor allem häufiger einen Infarkt erleiden. Im Jahr 2008 war das Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben, für Frauen doppelt so hoch wie für Männer.
Das ist krass!
Die gute Nachricht: Wegen veränderter Therapien ist die Überlebensrate von Frauen in den letzten 10 Jahren um 34 Prozent gestiegen und die bei Männern um 26 Prozent.
Aber warum überhaupt dieser Unterschied? Liegt das daran, dass eine Frau geistesgegenwärtig den Notarzt ruft, wenn ihr Mann einen Herzinfarkt hat, dieser es andersherum aber nicht tut?
Das ist in der Tat ein wichtiger Grund, aber nicht der einzige. Frauen haben zum Teil andere Risikofaktoren für einen Herzinfarkt, sie haben andere Symptome, sodass sich auch Unterschiede für die Diagnostik, die Therapie und den Verlauf danach ergeben.
Was sind das für unterschiedlich Risikofaktoren?
Zu den allgemeinen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes, kommen bei Frauen noch Risiken wie Schwangerschaftsbluthochdruck oder -diabetes, rheumatische Krankheiten oder Autoimmunerkrankungen dazu.
HERZSPRECHSTUNDE

Auch wenn es in der Medizin lange so behandelt wurde: Das Frauenherz ist kein kleines Männerherz. Es reagiert beispielsweise deutlich stärker auf Stress oder auf Gefühle wie Liebe und Trauer. Es gibt auch anatomische Unterschiede, die für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. Das Risiko, daran zu sterben, ist für Frauen übrigens doppelt so hoch wie für Männer. Warum das weibliche Herz anders ist und wie es gesund bleibt, beschreiben Herzchirurgin und Gendermedizinerin Sandra Eifert und Medizinerin und Wissenschaftsjournalistin Suzann Kirschner-Brouns in ihrem Buch: „Herzsprechstunde”. C.Bertelsmann, 24 Euro
