Wer gestresst ist, hat selten noch die Nerven, sich mit der Nachrichtenlage zu beschäftigen – negative Schlagzeilen belasten zusätzlich. 6 Tipps für einen positiveren Blick auf die Welt.
Text: Franziska Lehnert
Foto: Jacqueline Munguía
Ukraine-Krieg, Erstarken der Rechten, miese Prognosen für Wirtschaft oder Klima – manchmal wirkt es, als hörten die schlechten Nachrichten nicht auf. Wenn man ständig damit konfrontiert wird – sei es bei Social Media, in der Nachrichten-App oder im TV – kann das echt stressen. All die Negativität zermürbt, lässt einen hilflos zurück.
„Erlernte Hilflosigkeit ist hier das richtige Stichwort“, erklärt Lara Malberger. Sie ist Gesundheits-Redakteurin bei Perspective Daily, einem Online-Magazin für konstruktiven Journalismus. Der Begriff aus der Psychologie beschreibt, wie Menschen verinnerlichen, dass sie Probleme oder Situationen nicht lösen können. Auch, weil sie selbst (vermeintlich) die Kontrolle verloren haben. Ein Verhaltensmuster, das eng mit der Entstehung von Depressionen verflochten ist.
Und was haben die Nachrichten damit zu tun? „Wenn die Berichterstattung sich auf das Negative konzentriert, wirkt die Realität oft schlimmer, als sie eigentlich ist“, führt Lara weiter aus. „Wir beobachten, dass Medien in ihren Artikeln oft auslassen, was es zum Beispiel auch an Gegenmaßnahmen gibt oder welche Anstrengungen unternommen werden, um Menschen in Krisensituationen zu helfen.“
Den Kopf in den Sand stecken hilft nicht auf Dauer
Eine Folge – oder vermeintlich schnelle Lösung – davon: Menschen meiden Nachrichten. Mehr als jede:r Dritte vermeidet regelmäßig einen Blick in die News, findet der Reuters Digital News Report 2023. Ein Allzeit-Hoch. Besonders häufig sind es Frauen (39% vs. 33% Männer). Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass Frauen ohnehin einen höheren Mental Load haben, häufiger über psychische Belastungen berichten als Männer und öfter von Depressionen betroffen sind.

Lara Malberger ist Wissenschaftsjournalistin bei dem Online-Magazin Perspective Daily. Dort schreibt sie vor allem über Gesundheits- oder Biologie-Themen.
„Sich dauerhaft vom Welt-Geschehen abzuschotten, ist keine Lösung“, betont die Medizin-Journalistin. „Einerseits gibt es die politische Ebene – denn Medien haben eben auch eine meinungsbildende Rolle, die wichtig für die Demokratie ist. Andererseits betrifft es auch eine persönliche Ebene: Man könnte Sachen verpassen, die wichtig für einen selbst sind, zum Beispiel neue Erkenntnisse zu Wechseljahren. So fehlen neue Perspektiven, die wertvollen Input geben könnten.“
6 Tipps für achtsamen News-Konsum:
1. Grenzen setzen:
Nimm dir ein bestimmtes Zeitfenster am Tag, in dem du Nachrichten liest. So verhinderst du, dass den ganzen Tag eine Flut schlechter News auf dich einprasselt.
2. Wählerisch sein:
Überlege dir konkret, welche Medien du konsumierst. Einige berichten reißerischer (und sensationsgeiler), andere wiederum ausgewogener.
3. Vermeide Überladung:
Jeder Mensch hat eine begrenzte Kapazität für das, was er oder sie an neuen Informationen aufnehmen kann. Konzentriere dich im Zweifelsfall auf ein Thema, das dich besonders interessiert, und verschiebe die 15 anderen Artikel auf später.
4. Kritisch lesen:
Je schrecklicher eine Schlagzeile, desto eher springt unser Gehirn darauf an. Das wiederum freut die Medien – mit mehr Klicks verdienen sie mehr Geld. Schau dir also die nächste krasse Schlagzeile mal genauer an und entscheide dich vielleicht auch bewusst dafür, nicht draufzuklicken.
5. Perspektive wechseln:
Versuche einmal, nicht nur auf die Probleme zu schauen, sondern auch darauf, welche Lösungen es gibt. Manchmal kann eine kurze Google-Recherche nötig sein, um an die extra-Infos zu kommen.
6. Pause machen:
Es kann helfen, für eine gewisse Zeit (zum Beispiel zwei Wochen) auf Nachrichten zu verzichten. Währenddessen kannst du überlegen, was eigentlich die Ziele deines Nachrichtenkonsums sind. Vielleicht fällt dir ein besserer Weg als bisher ein, um das zu erfahren, was du eigentlich wissen willst.
WIEDER NUR BAD NEWS?

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Nachrichten sind stressiger als die Realität
Ein Gegenentwurf zu der negativen Berichterstattung ist konstruktiver Journalismus. Er konzentriert sich mehr auf Langzeitentwicklungen statt auf Einzelereignisse und versucht neben den klassischen W-Fragen (Wer? Was? Wo?) auch die Frage zu beantworten: Wie geht es weiter? „Wir versuchen einen Wechsel der Perspektive und berichten lösungsorientiert. Wir fragen nach Ursachen und Zusammenhängen – welche Stellschrauben gibt es, um eine Situation zu verbessern?“, erklärt Lara ihre Arbeit bei Perspective Daily. „Bei unseren Leser:innen sehen wir: Unser konstruktiver Ansatz hilft dabei, die erlernte Hilflosigkeit zu überwinden – auch weil man bei sich selbst und seinen Problemen ansetzen kann und Lösungsansätze bekommt.“
Zum Abschluss drei Fakten, die Hoffnung machen:
👉 Nie war die Kindersterblichkeit niedriger.
👉 Nie war die Alphabetisierungsquote höher.
👉 Die Lebenserwartung hat sich weltweit in den letzten 200 Jahren verdoppelt.
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Jo Lücke: Für Sorge
Als Jo Lücke das erste Mal Mutter wird, sträubt sich alles in ihr dagegen, „einfach nur eine Mutter zu sein“. Seitdem hinterfragt sie die starren Rollenbilder, die mit Elternschaft einhergehen. Etwas, das selbst bei den motiviertesten Eltern oft zum Streitthema wird: Wer nimmt wie lange Elternzeit? Wie teilen wir die Care-Arbeit auf? Ihre Lösung: Equal Care und einen gemeinsamen Fahrplan zu erstellen, um die Vor- und Nachteile des Familienlebens fair zu verteilen – am besten schon vor der Ankunft des Kindes. Wie das gelingen kann, erklärt Lücke in ihrem neuen Ratgeber. Knaur, 16 Euro.
